Was ist Hoffnung?

Mehrfach tauchte in den vergangenen Tagen hier oder auch andernorts die Frage auf, warum ich nicht hoffen wolle oder könne. Ich denke, es entspricht schlicht meiner Lebenserfahrung, das Wörtchen Hoffnung aus meinem Sprachschatz gestrichen zu haben – und damit auch dessen Bedeutung, so schwer sie auch wiegen mag und so kraftvoll seine Wirkung sein kann. Aber gehen wir doch mal tiefer…

Eine Existenz- oder eher eine Definitionsfrage?

Von Geburt an ist sicher kein Mensch Realist, auch ich nicht. Ich bin davon überzeugt, dass man dazu gemacht wird, wodurch und durch wen auch immer. Aber was ist eigentlich Hoffnung? Handelt es sich dabei nicht etwa nur um Träume, die einem das Sein und Haben vernebeln und die eigene Existenz erträglicher machen? Wie definiert man Hoffnung? Wäre ein passendes Synonym vielleicht Realitätsferne oder gar Ignoranz? Ein Blick in meine Lieblingsenzyklopedie Wikipedia bringt folgendes zutage:

Hoffnung (vgl. mittelniederdt.: hopen „hüpfen“, „(vor Erwartung unruhig) springen“, „zappeln“) ist eine zuversichtliche innerliche Ausrichtung gepaart mit einer positiven Erwartungshaltung, dass etwas Wünschenswertes in der Zukunft eintritt, ohne dass wirkliche Gewissheit darüber besteht. Das kann ein bestimmtes Ereignis sein, aber auch ein grundlegender Zustand; viele Menschen hoffen auf lange Gesundheit oder finanzielle Absicherung. Hoffnung ist die umfassende emotionale und unter Umständen handlungsleitende Ausrichtung des Menschen auf die Zukunft. Hoffend verhält sich der Mensch positiv zur Zeitlichkeit seiner Existenz.

Hoffnung kann begleitet sein von der Angst und der Sorge, dass das Erwünschte nicht eintritt. Ihr Gegenteil ist die Verzweiflung, die Hoffnungslosigkeit, die Resignation oder die Depression.

Hoffnung ist auch eine der drei christlichen Tugenden: Glaube, Liebe und Hoffnung.

Spätestens nach diesen Worten ist mir (und auch Euch bzw. allen Menschen, die mich kennen) klar, dass ich weder zuversichtlich noch positiv gestimmt bin bei der Aussicht auf das unweigerlich Kommende. Verzweifelt bin ich sicher nicht. Hoffnungslos? Wenn das bedeutet, dass ich keine Hoffnung habe, dann bin ich wohl hoffnungslos im Wortsinne. Ich würde meinen Zustand allerdings eher neutral nennen. Resignation? Möglich. Depression? Mag sein. Seit Katrins Tod weiß ich zumindest, wie sich das graue Einerlei einer Depression anfühlt…

Ergebe ich mich gar dem Fatalismus?

Bringt uns das nun weiter? Fassen wir zusammen: Ich wage nicht zu hoffen, weil Hoffnung für mich irreal ist und ich mich an keinen Fall erinnere, in dem meine Hoffnung belohnt worden wäre. Meine Konsequenz, eben nicht mehr zu hoffen und lieber abzuwarten, was auf mich zukommt und dann zu versuchen, damit klar zu kommen, klingt zumindest für mich nachvollziehbar. Und für Euch?

17 Antworten zu „Was ist Hoffnung?“

  1. Stephanie sagt:

    Es ist für mich völlig nachvollziehbar!
    Wer seine Zeit nicht damit verbringt, auf eine bessere Zukunft zu hoffen, hat viel mehr Zeit, sich die Gegenwart positiv zu gestalten.
    Problematisch sind schlechte Phasen, sei es physisch oder psychisch. Damit kann ich nicht umgehen, ganz ehrlich.
    Und dass ich ein kleines bißchen Hoffnung habe, ein paar meiner Ziele zu erfüllen, macht mich manchmal ganz schön hilflos – und ohnmächtig.

    Stephanie

  2. Tasha sagt:

    gute frage! sehr gute frage!
    ich habe lange nicht zu hoffen gewagt. zu finster war die prognose und dann immer dieser schlaue satz von den herren in weiss nach jeder hiobsbotschaft „die hoffnung stirbt zuletzt…“ tut sie das? ich glaube irgendwie schon. die erste zeit zu hause dann hoffte ich permanent aber das habe ich mir abgewöhnt. nicht aus pessi oder realismus ( und ich bin ein ganz schlimmer realist ), es behindert nur das leben im allgmeinen, wenn man immer auf was „gutes“ wartet.
    hoffnung ist gut aber man sollte neben all dem hoffen nicht vergessen zu leben.
    irgendwie gewöhnt man sich daran, an ein leben ausserhalb der norm und manchmal, nicht oft aber manchmal eben sinniere ich wie es ( mein leben ) früher war. ich weiss es gar nicht mehr aber „nur besser“ auf keinen fall. anders irgendwie…

  3. Gina sagt:

    Die Hoffnung stirbt zuletzt? Meine Hoffnung ist bereits gestorben. Ich habe sie sterben lassen, denn zu hoffen, ist mir zu mühsam und das Auf und Ab der Emotionen stresst mich viel zu sehr. Die Gleichförmigkeit des Realismus ist für mich besser.

  4. XXX sagt:

    kann man leben ohne hoffnung, ohne den glauben an gutes, besseres oder auch nur erträgliches? reiner realismus macht dich doch zum menschen, der nur im hier und heute lebt?! aber wozu tust du das? ich meine, ist das leben im hier und jetzt lebenswert genug, um auch das morgen noch auf sich zu nehmen?

  5. Silke sagt:

    Liebe Gina,

    ich gestehe Du Hoffnungslosigkeit zu – nein: ich gestehe Dir zu, keine Hoffnung zu haben. Ich persönlich sehe hier einen großen Unterschied, ob er nun objektiv und für Germanisten und Linguisten vorhanden ist oder nicht.

    Aber ich finde nicht gut, dass Du keine Hoffnung hast. Woran klammerst Du Dich, wenn es kritisch wird, wenn Du Halt brauchst? Ich glaube schon daran, dass die Hoffnung bis zuletzt bleibt. Sonst… Tja, sonst würdest Du nicht mehr leiden können (was Du ja oft genug getan hast, darüber brauchen wir nicht zu reden). Dafür braucht es Hoffnung, dass das Leiden endet – und zwar in Richtung Gesundheit, nur selten in Richtung Tod.

    Ich wünsche Dir Hoffnung. Ich finde, Du brauchst sie. Und ich weiß nicht recht… Ich denke, Du hast noch Hoffnung.

    Alles Liebe,

    Silke

  6. Stephanie sagt:

    @ XXX
    ist die Gegenwart nicht lebenswert?

    @ Silke
    genau darin sehe ich die einzige Problematik, die nicht hoffen mit sich bringt – Hoffnung gibt Halt in dunklen Stunden. Ohne Hoffnung ist es schwieriger, aus Tiefs rauszukommen.

    Stephanie

  7. Verbatim sagt:

    Hallo,

    schwer zu sagen ob dieses Zitat hier genau passt:

    Ein Übermaß an Hoffnung ist nicht ungefährlich. Es wirkt wie örtliche Betäubung der Tatkraft. (Thornton Wilder, amerikanischer Schriftsteller, 1897-1975)

    Allerdings habe ich bei Gina selten gelesen das es ihr an Tatkraft oder Willen mangelt (kurzzeitig ist wahrscheinlich jeder von uns etwas antriebslos und will alles hinwerfen). Von daher bin ich recht sicher das Gina mit ihrer Einstellung und Definition gut gefahren ist und auch wird.

    Man kann es auch kurz zusammenfassen:
    Lieber heute bei 12 Grad radfahren als zu hoffen das Morgen 20 Grad sind und es dann doch Regnet.

    Grüße Verbatim

  8. Sven sagt:

    Puh… Das ist wieder so eine Fragestellung. Wenn Gina philosophisch wird, kramen andere in ihren Hirnen… ;)

    Ich versuch´ mal was: Ist keine Hoffnung zu haben, gleichzusetzen mit Hoffnungslosigkeit? Ich gebe Silke recht: nein! Hoffnungslos zu sein, ist für mich zu resignieren. Und das tust Du, Gina, definitiv nicht!

    Ist es erlaubt, keine Hoffnung zu haben? Sicher! Ich finde es sogar richtig, wenn man damit vermeiden kann, im Fall des Falles zu sehr runtergezogen zu werden. Ich erinnere mich gut an zwei Situationen, als wir alle mit Gina gehofft haben und dann war die Enttäuschung riesengroß. Das muss man ertragen können, und wenn man es nicht kann, lässt man halt das Hoffen bleiben.

    Außerdem reden wir ja hier nicht vom Wetter (sorry, Verbatim, geht nicht gegen Dich, ist jetzt nur ein Beispiel, das ich von Dir geklaut habe!), sondern von einer Krankheit, die durchaus auch mal verschwindet und dann wiederkommt. Ist ja häufig so, ich kenne selbst mehrere Beispiele, wo sich jemand sogar einige Jahre gesund fühlen durfte und dann doch wieder dran war. In einem Fall sogar mehrfach, was er dann leider auch nicht überlebt hat.

    Daran zu denken, würde ich allerdings im Umkehrschluss auch nicht richtig finden. Wenn keine Hoffnung, also der Glaube an Positives, dann auch kein Pessimismus, also der Glaube an das Negative!

    Ich finde, Gina macht das einzig richtige: Sie tut heute, was sie morgen vielleicht nicht mehr tun kann. Und damit klaue ich wieder bei Verbatim: Gina, geh´ Radeln, denn morgen könnte es regnen! :mrgreen:

  9. Tom sagt:

    Ich finde gerade das Hier und Jetzt das Lebenswerte! Das Vergangene ist weg, unerreichbar, die Zukunft ungewiss. Worauf soll man sich verlassen, wenn nicht auf das, was gerade erlebbar ist?

  10. Andrea G. sagt:

    Hoffnung? Ich finde Lebenswillen, Mut und Zähigkeit viel wichtiger. Und das alles hast Du!

    Viel Spaß beim Radeln und Biken – und beim neuen Ziel: Transalp! :D

  11. ..audi. sagt:

    Für meine Definition von Hoffnung habe ich folgendes Zitat gefunden:

    Die Hoffnung ist bereits ein Teil des Glücks und, vielleicht, das wichtigste Glück, das diese Welt gewährt. Aber, wie bei allen übermäßig genossenen Freuden: ein Zuviel an Hoffnung wird mit Schmerz bestraft. Und übertriebene Hoffnungen müssen in Enttäuschung enden.

    Samuel Johnson, engl. Dichter u. Literaturkritiker

  12. Simon sagt:

    Mir kann niemand erzählen, dass er/sie nicht hofft. Wir hoffen doch alle ständig: Auf besseres Wetter, auf mehr Geld, auf die große Liebe… Ohne Hoffnung macht es doch keinen Sinn, auf morgen zu warten?!

  13. Tom sagt:

    @Simon: Du wartest heute auf morgen? Also ich lebe heute. Äh… LEBE heute! :mrgreen:

  14. Stephanie sagt:

    Tom, genau das.

    OK, manchmal hoffe ich, dass es morgen nicht regnet, weil ich etwas unternehmen will.
    Aber es geht hier doch eher um die größeren Angelegenheiten.

  15. Neni sagt:

    Eine gute Strategie ist auch der gentelmans agreement. In unserem Fall, die Akzeptanz, es ist so wie es ist, machen wir das Beste draus. In deinem Fall , ich lass dich leben, lass mich auch leben. Wenn ich sterbe, stirbst du auch.
    Oder ähnliches, das weißt du am Besten.

    Trotz allem, Hoffnung muss sein. Das ist es , was Mensch ausmacht.
    Und ausserdem, es gibt sie die Wunder. Sie sind vielleicht selten, aber es gibt sie.

    Ganz liebe Grüße
    Neni

  16. Ernstl sagt:

    Wenn die Erfahrung halt so ist und die Strategie „ohne Hoffnung aber nicht hoffnungslos“ aufgeht… Hey, warum nicht? Was ist falsch daran?

  17. Floh sagt:

    Ich finde es nicht gut, nicht zu hoffen. Hoffnung strahlt doch ins Jetzt aus!? Und macht es besser als es ohne Hoffnung ist. Oder etwa nicht?

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